17/05/2004 [#] Marketing | Media
Information Retrieval ist grundlegende Kompetenz, wenn nicht Trends verpasst, das Rad neu erfunden oder Ideen verloren gehen sollen. Im öffentlichen Internet helfen unter anderem algorithmische Suchmaschinen bei der Recherche nach kostbarer Information. Ihre Relevanz als Gatekeeper zeigt sich nicht nur an der messbaren Reichweite sondern noch viel mehr am täglichen Sprachgebrauch: Wer 'sucht' heute schließlich noch? - Relevante Anbieter originärer Suchtechnologie gibt es nach der Marktbereinigung der letzten Jahre nur noch drei: Google, Microsoft und Yahoo. Und da es ob der Reichweite und Funktion um sehr viel Geld geht, wird der Ton immer rauer.
So zitiert die Financial Times Deutschland Yahoo-Chef Terry Semel auf einer Analystenkonferenz in San Francisco mit der klaren Ansage:
"Wir laufen im Konkurrenzkampf zur Hochform auf ... Nehmt euch in Acht, wir wollen nur eines - gewinnen. ... Yahoo ist mehrdimensional - es ist eine gute Suchmaschine, aber es ist viel mehr als nur eine Suchmaschine."
Aber nicht nur Semel ist auf dem Kriegspfad: Google steht vor dem Börsengang, um die eigene Kapitalisierung zu verbessern, und baut neben dem ursprünglichen Suchdienst an weiteren Mehrwertdiensten, namentlich dem umstrittenen GMail. Daneben entwickelt Microsoft eine eigene Suchtechnologie, um sein Portal MSN entsprechend zu unterfüttern und ebenfalls in den Markt der Information Retrieval Lösungen einzusteigen. - Alle 3 verdienen ihr Geld nämlich heute fast vollständig mit Marketingleistungen auf den eigenen Portalen [betrachtet man bei Microsoft nur den Bereich MSN]. Information Retrieval Lösungen als ASP an andere Portale und Unternehmen zu lizenzieren, ist das zweite und ebenso zukunftsträchtige Standbein.
Das Geschäft mit Marketingleistungen fokussiert dabei immer stärker auf den registrierten Nutzer, dem neben zahlungspflichtigen personalisierten Services etwa auch personalisierte Werbung angeboten werden kann. Und gerade hier sehen sich Yahoo und Microsoft im Vorteil: Über ihre eMail-Services konnten sie sich in den letzten Jahren einen riesigen Stamm registrierter Nutzer aufbauen und diese Registrierung zur Voraussetzung für die Nutzung anderer angebotener Dienste erweitern. Google kann im Rahmen von AdWords zwar auf eine 100%ig mit Kreditkarteninformationen registrierte Nutzerschaft zurückgreifen, es fehlt jedoch an der breiten Masse. Diese will Google nun, wie vorher schon Yahoo und Microsoft, mit GMail, dem hauseigenen eMail-Service, erreichen.
Dass Yahoo auf die Ankündigungen von Googles Börsengang und GMail geradezu allergisch reagiert, ist nahe liegend. Andererseits opponiert Yahoo spätestens seit dem Kauf von Overture und der Optimierung der eigenen Suchtechnologie direkt gegen Googles Kernfunktion und AdWords. - Und was macht Microsoft? Aktuell hält man sich in Redmond weitgehend aus der Diskussion heraus und investiert in Technologie. Allein die Ankündigung der eigenen Suchtechnologie und eigenen Vermarktung dürfte auch bereits für ausreichend Aufregung bei Google und Yahoo gesorgt haben, denn Microsoft bringt neben MSN, und damit dem erforderlichen Bekanntheitsgrad im Internet, zusätzlich auch allgemein die erforderliche Marketingkompetenz mit.
Während es in den letzten Jahren schon fast so aussah, als würde es bald nur noch einen Anbieter von Suchtechnologie geben, hat sich diese Problematik vorerst einmal aufgelöst: Allein mit Google, Microsoft und Yahoo sind 3 derart potente Wettbewerber am Markt, dass nicht nur mit einer weiteren Verbesserung der reinen Suchfunktionen zu rechnen ist, sondern eine Schlacht der Zusatzdienste entbrennen dürfte. - Darüber hinaus hat Google selbst demonstriert, wie jung die Technologie des Information Retrievals heute noch ist und wie leicht daher neue Anbieter, mit letztendlich relativ simplen Ideen für Qualitätsverbesserungen, in dieses Feld einbrechen können: Der Kampf um die Aufmerksamkeit des Onliners hat gerade erst begonnen.
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