TNS Infratest Business Intelligence hat im Rahmen des Monitoring Informationswirtschaft den 7. Faktenbericht, eine Sekundärstudie zur Lage der digitalen Wirtschaft im weltweiten Vergleich, veröffentlicht: Danach hat Deutschland das Potenzial, zu einem der weltweit führenden Standorte für Informations- und Kommunikationstechnologie [IKT] zu werden. Und bereits heute hängen mehr als die Hälfte der Industrieproduktion und über 8o Prozent der Exporte Deutschlands vom Einsatz moderner IKT-Systeme ab. Der Bericht wurde von TNS Infratest Business Intelligence, dem Spezialisten für Desk Research und Consulting innerhalb der TNS-Gruppe, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit [BMWA] erstellt.
Ausgangssituation: Die deutsche IuK-Branche gehört zu den größten Wirtschaftssektoren Deutschlands. Deutschland ist der drittgrößte Ländermarkt im Bereich IKT mit 6 Prozent Weltmarktanteil nach den USA [32 Prozent] und Japan [12 Prozent]. Insgesamt geht die Branche von einer sehr robusten Erholung nach dem schwachen Vorjahr aus: Auf eine schlechte Einschätzung für 2004 kommen fast 3 1/2 optimistische Stimmen. In ihren Antworten zur 'Informationsgesellschaft' sehen die Experten insgesamt positive Folgen für Wissenschaft, Technik und Wirtschaft, ambivalente Folgen für den Arbeitsbereich, negative Folgen für die sozialen Beziehungen und negative Folgen für Politik, Bildung und Medien voraus:
"Während die Anzahl der Arbeitsplätze weiter abnehmen wird, nehmen Qualität der Arbeit und des Arbeitsumfeldes sowie die Qualifikationsanforderungen zu. Im Besonderen wird dem Mitarbeiter von morgen Flexibilität, Mobilitätsfähigkeit, Vernetzung und Netzwerkbildung sowie Schnelligkeit und selbstständiges Handeln abverlangt. Während der Divide, also die Kluft zwischen denen, die angemessen mit Informationen umgehen und kommunizieren, und denen, die das nicht können, zunimmt, kommt es zu einer Abnahme und Verarmung sozialer Beziehungen."
Infrastrukturell besteht im internationalen Vergleich weiterhin Nachholbedarf: Besonders bei der Ausstattung der Bevölkerung mit PCs aber auch hinsichtlich der Penetrationsrate bei schnellen Internetzugängen. Während in den USA 16 Mio. Anschlüsse mittels Kabelmodem bereits 65 Prozent aller Breitbandzugänge ausmachen, entfallen in Deutschland lediglich 2 Anschlüsse auf 1oo Haushalte. Dafür konnte die Deutsche Telekom mit 91 Prozent eine marktbeherrschende Stellung bei den aktuell 4,6 Mio. ADSL-Anschlüssen etablieren, deren Preise im weltweiten Vergleich über dem Durchschnitt liegen. Insgesamt verfügt Deutschland trotzdem über gute Voraussetzungen, um sein Potenzial für eCommerce und andere Internet-Anwendungen auszuschöpfen.
Die Meinungen zur Regulierung des Internet sind geteilt: Überwiegend werden die wachsenden Regulierungen sowohl als Chance als auch Risiko eingeschätzt. In zusätzlichen Begründungen neigten die befragten Experten allerdings dazu, die Tendenzen zu einer weitergehenden Regulierung des Internet negativ und die autonome Internet Entwicklung positiv zu bewerten. Damit verbunden nahmen sie zentrale Argumente der 'Freiheitsbewegung' des Internet auf und ergänzten sie um Argumente des Wirtschaftsliberalismus.
Als besonderen Durchbruchsbereich für die zukünftige Entwicklung werden Informationsdienste und Informationslösungen angesehen, deren Nennung sich von 13,7 Prozent in 2003 auf jetzt 20,8 Prozent erhöhte. Besonders das Thema Information Retrieval wurde von 12,3 Prozent der Befragten hervorgehoben [5,3 Prozent in 2003]. Allerdings wurde für die elektronischen Verleger mit 'Open Access' auch ein Gefährdungsfaktor identifiziert:
"Die Experten empfahlen den Verlegern, den aktuellen Herausforderungen vor allem durch Verbesserungen in den Bereichen Informationssuche, ... Informationserschließung, Suchmaschinen und Automatische Indexierung zu begegnen."
Laut ITU hat die Zahl der weltweiten Internet-Nutzer 2003 die 65o Millionen-Marke überschritten. Somit sind mehr als 1o Prozent der Weltbevölkerung online. Die Europäer stellen absolut gesehen mit 28 Prozent weltweit den stärksten Anteil an allen Internet-Nutzern vor Nordamerika mit 26 Prozent und dem asiatisch-pazifischen Raum mit 25 Prozent. Danach liegen also alle drei Weltregionen Kopf an Kopf. Bezogen auf die Internet-Penetration in der Bevölkerung dominiert allerdings weiterhin Nordamerika mit 67 Prozent vor Westeuropa mit 38 Prozent und Osteuropa mit 7 Prozent. Zur spezifischen Entwicklung in Deutschland finden sich umfangreiche Informationen im (N)Onliner-Atlas 2004.
"Während der Schwerpunkt im Internet-Bereich in den letzten Jahren auf dem Zugang ... lag, geht es jetzt vor allem um gleichberechtigte Teilhabe sowie um eine qualifizierte Nutzung und den optimalen Einsatz der neuen Technologien. Es ist sicher, dass die Offliner in Zukunft immer stärker ausgegrenzt sein werden, wenn nicht die noch bestehenden soziodemographischen und regionalen 'Digital Divides' abgebaut werden."
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