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Gerrit Eicker  0700/eWerxcom  0700@eWerx.com

30/06/2004 [#] Marketing

eCommerce: Deutschland zum Teil Trendsetter

TNS stellt im 7. Faktenbericht Monitoring Informationswirtschaft eine interessante Entwicklung im deutschen eCommerce fest. Und zwar ausgerechnet in einem Bereich des elektronischen Handels, der eigentlich längst abgeschrieben worden war:

"Im B2C-eCommerce, also dem Handel zwischen Unternehmen und Endverbrauchern, entwickelten sich die Deutschen zum Teil zu Trendsettern: In Westeuropa wurden laut EITO 2003 63,1 Milliarden Euro umgesetzt. Die umsatzstärksten Länder Westeuropas sind mit einem Marktanteil von jeweils rund einem Viertel Großbritannien (16,8 Milliarden Euro) und Deutschland (15,4 Milliarden Euro). Derzeit werden dem HDE zufolge nur wenig mehr als 2 Prozent der gesamten deutschen Einzelhandelsumsätze online erzielt. Bis 2007 geht Forrester von 11 Prozent aus."

Aber zunächst zur allgemeinen eCommerce-Entwicklung: Den 'eCommerce Sophistication Path' haben deutsche Unternehmen vielleicht zögerlich beschritten, offenbar aber besonders nachhaltig, denn innerhalb der EU hat Deutschland nicht nur die höchsten Internet-Penetrationsraten in Unternehmen, sondern ist bei der Nutzung von Internet-Anwendungen sogar führend: Nahezu 1oo Prozent aller deutschen Unternehmen nutzen das Internet, 78 Prozent haben eine eigene Website zur Selbstdarstellung, 62 Prozent bieten Produktinformationen [Irland: 75, USA: 74, Kanada und GB: 73, Schweden: 68, Australien und Japan: 67], 33 Prozent darüber hinaus Preisinformationen und AGB [Schweden: 4o, Australien: 34, Kanada und USA: 33] und sogar 46 Prozent bieten in letzter Konsequenz die Möglichkeit, direkt online zu bestellen [Schweden: 51, USA: 36].

Äußerst interessant ist dabei der weiterhin gravierende Abstand zwischen Online-Verkauf und Online-Einkauf: Während nur 46 Prozent der deutschen Unternehmen eine Online-Bestellmöglichkeit für ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten, nutzen 62 Prozent das Internet selbst zum eProcurement. Es besteht folglich weiterhin ein deutliches Geschäftspotenzial. Bei 3o Prozent der Unternehmen realisierte die Einführung von eBusiness und eCommerce Umsatzsteigerungen, in 52 Prozent eine Stabilisierung des Umsatzes, kürzere Lieferzeiten [39 Prozent], Stabilisierung der Vertriebskosten [38 Prozent], kostengünstigere Zahlungsabwicklung [36 Prozent] und eine Reduzierung der Vertriebskosten [29 Prozent]. Die deutschen Unternehmen, die ihre Waren und Dienstleistungen online anbieten, gaben weiterhin an, rund 13 Prozent ihres Umsatzes online zu generieren [international: 17, Japan: 26].

Insgesamt erreicht Deutschland damit im internationalen Vergleich mit einem Indexwert von 0,51 [auf einer Skala von 0 bis 1] einen guten vierten Platz hinter Irland, Kanada und den USA. Die wichtigsten Gründe für die Einführung von eBusiness und eCommerce: Wettbewerbschancen [79 Prozent], Kundenanforderung [54 Prozent], Wettbewerbsdruck [52 Prozent] und Kostenreduzierung [34 Prozent]. Als Hauptargument gegen die Einführung von E-Business wird mit 53 Prozent der Nennungen wie schon im letzten Jahr an erster Stelle genannt, dass eBusiness und eCommerce nicht zum Unternehmen oder den Produkten passe [2002: 41 Prozent].

Zum speziellen Thema B2C-eCommerce: Aktuell macht der Verkauf von Unternehmen an Endkunden weltweit nur 5 Prozent des gesamten elektronischen Handels aus. Die Schätzungen des kurz- und mittelfristigen Wachstums sind allerdings exponentiell. Die meisten Unternehmen mussten und wollten offensichtlich zunächst ihre eReadiness herstellen. Auf der anderen Seite ist auch das Internet erst heute wirklich ein Massenmedium und der Onliner verstärkt am Onlinekauf interessiert.

Die amerikanischen Marktforscher von Forrester rechnen für das Jahr 2003 mit einem Volumen im B2C-eCommerce in den USA in Höhe von USD 95,7 Milliarden. Bis 2005 soll dieser Wert auf USD 149,2 Milliarden steigen, und im Jahr 2008 schließlich die Summe von USD 229,9 Milliarden erreichen, was 1o Prozent des Einzelhandelsumsatzes in den USA darstellen würde. In Westeuropa ist der B2C-Umsatz gegenwärtig für rund 13 Prozent des gesamten eCommerce-Umsatzes verantwortlich, 87 Prozent entfallen folglich auf den B2B-Bereich.

Derzeit liegt der Anteil des B2C-eCommerce am gesamten Einzelhandelsumsatz wie in Deutschland auch in Europa bei etwa zwei Prozent. Hinzu kommen nach verschiedenen Studien allerdings weitere 5 bis 8 Prozent Offline-Käufe, die durch Internetrecherchen der Konsumenten ausgelöst wurden. 88 Mio. Westeuropäer nutzen nach Schätzungen derzeit das Internet zum Einkauf von Waren und Dienstleistungen. Bis Ende 2007 soll diese Zahl auf 156 Mio. ansteigen. 2003 wurden dabei durchschnittlich Euro 425 pro Onliner umgesetzt. Bis 2007 soll dieser Wert auf Euro 673 steigen. Die Schätzungen für Deutschland liegen zwischen Euro 13 und 17 Milliarden Umsatz in 2004 und bis zu Euro 6o Milliarden in 2007. Der Anteil des direkt online getätigten Umsatzes läge damit bei 11 Prozent des Einzelhandelsumsatzes.

Über 9o Prozent der Onliner gaben übrigens Anfang 2004 an, bereits online eingekauft zu haben und gut 6o Prozent aller Befragten planen, das Internet in 2004 verstärkt für den Kauf von Waren und Dienstleistungen zu nutzen. Wer dabei an Bücher und CDs denkt, liegt im Hinblick auf die Anzahl der Transaktionen zwar richtig. Im Hinblick auf den Wert des Umsatzes führen allerdings Bekleidung und Schuhe. Der Trend beim Bezahlen geht dabei klar in Richtung Lastschrift, Rechnung, Online-Überweisung und Nachname. Innovative Bezahlsysteme sind immer weniger gefragt.


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