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Gerrit Eicker  0700/eWerxcom  0700@eWerx.com

06/07/2004 [#] Marketing | Weblogs | Wissen

BlogWalk 3.0: Networks Networking

Der BlogWalk in Wien konnte mit 29 Teilnehmern erneut wachsen und war, dank des unmittelbar anschließenden BlogTalk, besonders international beschritten. Wien bot sich für den obligatorischen Spaziergang natürlich als geschichtsträchtiger Boulevard an. Mit den zentral gelegenen Räumlichkeiten des Bereiches Kunst und Wissenstransfer im Institut für Mediengestaltung der Universität für angewandte Kunst war auch der überdachte Open Space gewährleistet. Für diese perfekte Planung als auch die hervorragende Moderation der Versionsnummer 3.0 zeichnete Ton Zijlstra, neben Lilia Efimova und Sebastian Fiedler Initiator des BlogWalk, verantwortlich. Impressionen vom BlogWalk 3.0 finden sich bei Adalbert Wojciech Duda. [ Update | Wien gebloggt findet sich übrigens seit dem 3. Juli im Angebot von Metroblogging.com.]


Networking innerhalb und durch die Blogosphäre stand im Fokus des BlogWalk 3.0, der selbst schon längst zum Networking der Blogosphäre beiträgt: Networks diskutieren und betreiben Networking, beschreibt den BlogWalk 3.0 daher am besten. Im Sinne der Open Space Technologie von Harrison Owen, welche die Vorzüge des Dialogs und der Konversation via Weblog im Internet geradezu spiegelbildlich in die Meeting-Situation im Real Life transferierte, war die Themenvielfalt unglaublich hoch. [ Update | Ein bildlicher Überblick findet sich bei: ad++] Folgende persönliche Auswahl ist daher nur ein kleiner Ausschnitt, der zwangsläufig von den thematischen Eindrücken anderer abweichen und damit noch für weitere Reflexionen sorgen wird.

Holländisch oder Englisch? Eine Frage, die Elmine Wijnia nach dem Start ihres Weblogs über Kommunikation und Philosophie auf Holländisch mit einem Wechsel ins Englische beantwortete. Das Kernargument: Im speziellen Kontext fanden sich kaum Leserschaft und noch weniger Konversationspartner. Jan Schmidt schreibt ausschließlich auf Deutsch, verfolgt allerdings auch keinen derart spezifischen Themenkomplex, so dass sich die Frage bislang nicht stellte. eWerx.com/news wird auch zukünftig grundsätzlich auf Deutsch verfasst werden, wenn auch weiterhin mit vielen englischen Zitaten und Verweisen auf englischsprachige Quellen. Ob ein zusätzliches englischsprachiges AddOn zur Konversation und zum Networking folgen wird, ist damit allerdings keineswegs beantwortet.

Funktioniert Networking in der Blogosphäre auf ausschließlich thematischer Basis? Die letztendlich einheitliche Antwort auf diese Frage lautete: Nein. Reine Themennetzwerke mit niedriger persönlicher Integration der Teilnehmer stellen nur einen ersten Schritt dar, der zu einem hohen Informationsumschlag samt möglicherweise intensivem Diskurs führt. Erst das Engagement auf persönlicher Ebene als zweiter Schritt kann aber zu einer Vertiefung führen, die den thematischen Kontext verlässt und zusätzliche Möglichkeiten, etwa für gemeinsame Projekte, eröffnet. Networking mittels Weblogs unterscheidet sich insofern keineswegs von klassischem Networking. Was sich gravierend verändert und eine deutlich vereinfachte Kontaktaufnahme mit sich bringt, ist der Zugang zu einzelnen Menschen, ihren Ansichten und ihrer jeweils aktuellen Agenda: Nicht mehr und nicht weniger.

Anwendungskompetenz für Software durch konkretes oder abstraktes Wissen? Ein Off Topic hervorgerufen durch die Frage nach der bislang niedrigen Verbreitung von Weblogs in Deutschland. Konsens bestand mit Markus Breuer und Siegfried Hirsch in der Frage der möglichst hohen Usability neuer Applikationen, um den Massenmarkt zu durchdringen. Dissens allerdings in der Frage, ob häufig wiederkehrende Systematiken, wie etwa die Trennung von Inhalt und Layout, die sich in nahezu jeder Anwendung [von Word über PowerPoint bis zu Weblogs] wieder finden, nicht abstrakt von der Applikation nachhaltig verstanden werden müssen, um vorhandene, vor allem aber neue Software effektiv und effizient einsetzen zu können. Ein spannender Diskurs, wenn auch ohne Ergebnis. Anmerkung: Nico Lumma von Blogg.de hat zur 'German Blogosphere' auf dem BlogTalk sehr interessante Zahlen präsentiert [PDF].

Einsatzmöglichkeiten und Chancen? Weblogs sind integrierte Anwendungen für Außenkommunikation, Wissensmanagement und Lernen. Auch wenn der Einsatzbereich von Weblogs häufig durch unterschiedliche Blickwinkel eingegrenzt, als besonders nützlich empfunden, verstärkt reflektiert oder sogar wissenschaftlich bearbeitet wird, liegt letztendlich ein Prozess vor: Wird explizites Wissen externalisiert, handelt es sich um internes wie externes Wissensmanagement als auch ganz allgemein um dialoge Außenkommunikation. Dass auf diesem Wege sogar Lernumgebungen entstehen können, ist fast schon zwangsläufig. Interne wie externe Wirkungen unterliegen vielfältigen Rückkopplungen, die sich kaum sinnvoll trennen lassen. Oder mit den Worten von Anu Gupta: "It's always the same elephant you touch."

Originäre Geschäftsmodelle in der Blogosphäre? Nichts ist unter betriebswirtschaftlicher Perspektive produktiver als eine scheinbar unlösbare Streitfrage: Möchte A etwas von B, das B aber nicht umsonst hergeben möchte, wird es Zeit für Gegenseitigkeit und ein Austauschmedium, zum Beispiel Geld. Die streitige Frage lautet: Vollständige Posts in Webfeeds oder nur Titel und vielleicht noch Teaser? Gerade klassische Medien, aber auch viele Weblogs liefern nur Titel oder Titel plus Teaser zum Post via Webfeed aus, statt gleich die vollständige News oder das komplette Essay. Die Gründe sind vielfältig, die Diskussion wird häufig emotional geführt.

Gerade für werbefinanzierte Angebote klassischer Medien stellt schon der Webfeed einen vermeintlichen Verlust von Pageviews und damit Adviews da, obwohl wahrscheinlicher die Leserbindung und Frequenz der Nutzung steigt. Würde allerdings der vollständige Artikel ausgeliefert, wäre endgültig Schluss mit Page- und Adviews, denn auch wenn eine Messung der Nutzung von Webfeeds durchaus möglich ist, sieht das bei der Messung von Werbeschaltungen in Webfeeds noch ganz anders aus. Der Leser muss vorläufig also auf die Website des Anbieters surfen, um etablierte Modelle zur Refinanzierung von Content aufrecht zu erhalten. Gegen die Distribution des gesamten Inhalts via Webfeeds spricht auch die Messung von Leserinteressen auf Artikelebene, die zurzeit ansonsten wegfallen würde.

Wenn allerdings Markus Breuer sagt: "Für die komplette Süddeutsche als Webfeed wäre ich bereit, mindestens denselben Betrag zu bezahlen, wie für die Printversion" und dafür viel Zustimmung erhält, stellt sich die Frage nach einer Abogebühr. Während der kurze Webfeed mit den Hinweisen auf neue Artikel auf der Website zur Leserbindung und Steigerung von Aufmerksamkeit verschenkt wird, könnte eine zusätzliche Version inklusive aller Inhalte kostenpflichtig als Abo angeboten werden. Um ein originäres Geschäftsmodell der Blogosphäre handelt es sich dabei keineswegs, sondern vielmehr um ein altbekanntes Geschäftsmodell klassischer Medien. Nichtsdestotrotz erscheint diese Möglichkeit der Refinanzierung spannend, sobald die Anzahl der Liebhaber vollständiger Webfeeds eine kritische Masse erreicht, denn gerade für klassische Medien wäre so die Hemmschwelle niedriger, um Webfeeds stärker einzusetzen. Der andere klassische Weg besteht natürlich in der Distribution von Werbung in Webfeeds.


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