29/07/2004 [#] Marketing | Media | Werbung
Nach 1ojährigen Verlusten schreibt MSN mittlerweile schwarze Zahlen. Der originäre Konkurrent, AOL, ist längst auf Platz 3 verdrängt. Nur noch Yahoo steht unter Reichweitenaspekten knapp vor Microsofts Onlineservice. Und statt einem Minus von einer halben Milliarde USD wie im Vorjahr konnte im letzten fiskalischen Jahr ein operatives Plus von USD 2oo Millionen gemeldet werden.
"The reason has little to do with any of Microsoft's more ambitious Internet strategies. Instead, it was one of the businesses that it had put on the back burner - Internet advertising - that really started to take off." [NYT]
Aber dieser fiskalische Erfolg reicht Yusuf Mehdi, Vizepräsident von MSN, noch lange nicht aus: "I want people to say, 'I love MSN.'" Die weitere Strategie basiert laut Mary Meeker, Morgan Stanley, auf 3 Säulen: dem Vertrieb von Werbung, Software für Onliner mit Breitbandzugang und der hauseigenen Suchtechnologie.
Damit steht auch ein neuer Konkurrent fest: Google, die aktuell reichweitenstärkste Suchmaschine. Einen interessanten Beweis haben die roten Zahlen der letzten Jahre im Hinblick auf die vermeintliche Macht Microsofts via Windows geführt: AOL ist weiterhin der größte ISP. Trotz allen Marketings und trotz der Integration von MSN in Windows, konnte Microsoft in diesem Bereich keinen Boden gutmachen, verlor sogar Marktanteile. MSN gewann, vor allem durch Zukäufe wie etwa Hotmail, das Portalgeschäft, nicht das Internet Zugangsgeschäft. In Anbetracht der multiplen Probleme von ISPs zweifelsohne der entscheidendere Erfolg.
Allerdings gibt es auch hier noch genug zu tun: Denn nach der Nutzungsdauer steht MSN mit durchschnittlich 147 Minuten pro Besuchersitzung weit abgeschlagen hinter Yahoo mit 26o Minuten und AOL mit 34o Minuten. AOL bietet - dank der Übernahme von Time Warner - auch weiterhin schlicht die quantitativ wie qualitativ besseren Inhalte und Medienmarken. Es verwundert insofern nicht besonders, dass MSN erst kürzlich seinen eigenen Newsbot gestartet hat, der über verschiedene Personalisierungsfunktionen verfügt und zu einer höheren Nutzerbindung führen soll. Eine spezielle Weblog-Suchmaschine soll noch Ende dieses Jahres hinzukommen.
"We've put the strongest assets of MSN and NBC News to work for consumers with MSNBC.com Newsbot, the only automatically personalized news search service on the Web. By providing a variety of ways to personalize the service, people have more control over how and where they get their news - control they can't get anywhere else on the Web", sagte Yusuf Mehdi gegenüber ClickZ.
Dass es dabei nicht nur um die Aufenthaltsdauer sondern vielmehr auch um die Frage nach Reichweite und Aufmerksamkeit geht, dürfte außer Frage stehen. Die alte Formel der 1990er Jahre: Content = Traffic = Werbeeinnahmen, die viele bereits beerdigt hatten, obwohl sie lediglich eine der ältesten Gleichungen des Verlagsgeschäfts darstellt, steht heute mehr denn je im Mittelpunkt des Interesses. Onliner stellen bereits heute die Mehrheit der Bevölkerung. In wenigen Jahren werden Offliner nur noch eine kleine Minderheit sein. Und Onliner verbringen immer mehr Zeit online. Die Marketingetats verschieben sich folglich von Offline- hin zu Onlinemedien. Aber deren Kapazitäten, insbesondere die von Suchmaschinen, sind begrenzt:
"The major search engines' robust growth is outpacing the advertising supply. Nielsen//NetRatings' director of strategic analysis, Ken Cassar, predicts paid search will undergo continued price increases until the medium is no longer cost-effective for advertisers. The measurement firm recommends search engines develop new advertising opportunities while maximizing existing revenue streams." [ClickZ]
Während kontextuelle Kleinanzeigen in Suchmaschinen immer teurer werden, erleben die herkömmlichen Werbebanner, wenn auch in neuen Formaten ihre Renaissance. Beide Entwicklungen verwundern kaum: 1. war Suchmaschinenmarketing der einfachste Weg, um überhaupt online zu werben, wenn auch nur gegenüber einem Bruchteil von etwa 5 Prozent der Onliner und 2. ließen die früheren Werbebanner kaum Möglichkeiten, um Geschichten zu erzählen und die eigene Marke effektiv und effizient zu positionieren. Daneben haben sich auch die Trackingverfahren deutlich verbessert und weisen heute die Wirkung von Werbebannern über den Klick hinaus nach.
Suchmaschinenmarketing hat vielen Marketingverantwortlichen die Möglichkeiten der Onlinewerbung zugänglich gemacht. Jetzt wird mehr gefordert und die Portale partizipieren besonders stark an dieser gestiegenen Nachfrage, da die Preise für Klicks auf Suchwörter auf ein nicht tragfähiges Niveau steigen. Gerade auch MSN konnte von dieser Nachfrage besonders profitieren. Die Anforderungen an Werbekampagnen steigen dabei entsprechend und die Werbeagenturen müssen viel dazulernen. Die Simplifizierung von Onlinewerbung auf das Anlegen von Stichwörtern bei Suchmaschinen ist vorbei.
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