[SI] Das Statische Bundesamt Deutschland, Destatis, gibt einen aktuellen Überblick zur Ausstattung und Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Privathaushalten [PDF] und Unternehmen [PDF] in Deutschland 2003. Sehr interessant ist daneben der erste veröffentlichte Teil zur Entwicklung von IKT in Deutschland in den Jahren 1995 bis 2003 [PDF]. - In der zum zweiten Mal durchgeführten europäischen Pilotstudie in Privathaushalten wurden in Deutschland 9.720 Personen ab 1o Jahren in 4.606 Haushalten befragt. Deutschland liegt danach im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Anders in den Unternehmen: Hier konnte Deutschland zur Spitze aufschließen. 8o Prozent der deutschen Unternehmen setzten 2003 Computer im Geschäftsablauf ein, 74 Prozent nutzten dabei auch das Internet und 39 Prozent verfügten über einen eigenen Internetauftritt.
Bei den Privathaushalten besaßen nur 6o Prozent einen Computer und nur jeder zweite Haushalt hatte 2003 eine Verbindung zum Internet [1998: 12 Prozent]. Der Internetzugang wurde dabei weiterhin überwiegend über den PC hergestellt [98 Prozent], wobei 8o Prozent der Zugänge über schmalbandige analoge Telefon- oder ISDN-Anschlüsse liefen und nur 17 Prozent über eine Breitbandverbindung, etwa einen DSL-Anschluss. 69 Prozent der Haushalte ohne Internetzugang sahen generell keinen eigenen Bedarf für das Internet. Für 41 Prozent der Offliner spielten ökonomische Gründe eine Rolle: Sie hatten auch wegen der Anschaffungs- oder Zugangskosten keinen Internetanschluss.
Insgesamt stand bei der Internetnutzung die Informationssuche im Vordergrund: 82 Prozent der Onliner haben sich über Produkte oder Dienstleistungen informiert, 38 Prozent mindestens einmal etwas im Internet gekauft oder bestellt. Im Vergleich zu 2002 haben diese beiden Nutzungszwecke stark zugenommen: die Suche nach Informationen über Produkte von 66 auf 82 Prozent, das Kaufen und Bestellen von Produkten von 28 auf 38 Prozent. [vgl. hierzu auch: Das Internet, Deutschland und die Welt und (N)Onliner Atlas 2004]
Diese deutliche Nachfragezunahme spiegelt sich jedoch nicht in der Entwicklung auf Unternehmensseite wider: Der Internetauftritt diente dort vorrangig dem eigenen Marketing. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen haben Waren oder Dienstleistungen direkt über das Internet verkauft. Der Anteil am gesamten Umsatz der Unternehmen der betrachteten Branchen war mit rund o,6 Prozent relativ gering. Wesentlich verbreiteter war es hingegen, das Internet als Beschaffungsmarkt zu nutzen: Insgesamt haben mehr als 22 Prozent der Unternehmen über das Internet Käufe getätigt. Bei der erstmaligen Unterscheidung zwischen dem Kauf von Waren und Dienstleistungen konnten dabei keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. [vgl. hierzu auch: eCommerce: Deutschland zum Teil Trendsetter und Onlinewerbung wächst überproportional]
74 Prozent der Unternehmen nutzten 2003 das Internet. Dies ist verglichen mit dem Jahr 2002 ein Anstieg um etwa 11 Prozentpunkte. Vor allem die kleinen Unternehmen mit bis zu 19 Beschäftigten haben zu diesem Wachstum beigetragen: Während 2002 58 Prozent dieser Kleinunternehmen das Internet nutzten, waren es im Jahr 2003 knapp 71 Prozent. Als Zugangsweg ins Internet hat sich dabei mittlerweile ISDN etabliert: Rund 7o Prozent nutzten hierfür die digitale Telefonverbindung. Breitbandzugänge wie DSL wurden gerade in Kleinunternehmen nur von einem Drittel benutzt. Je größer das Unternehmen, desto eher verwendete es einen breitbandigen Zugang.
Von fast allen Unternehmen wird das Internet primär zur Informationsbeschaffung eingesetzt: Rund 95 Prozent der Unternehmen gaben dieses Einsatzfeld an. Ein weiterer wesentlicher Verwendungszweck, gerade von kleineren Unternehmen, ist Onlinebanking: Rund 64 Prozent aller Unternehmen mit Internetzugang wickelten ihre Finanzgeschäfte im Jahr 2003 ganz oder teilweise online ab. - Fast 8o Prozent der Unternehmen setzten im Jahr 2003 Virenschutz-Software ein, 43 Prozent verfügten über eine Firewall. Unternehmen, die über eine Firewall verfügten, setzten dabei zu über 9o Prozent auch Virenschutz-Software ein.
Ingesamt lässt sich auch hiernach festhalten, dass die Unternehmen offenbar ihre Hausaufgaben gemacht haben und das Internet zumindest als Informationskanal mittlerweile ernst nehmen. Als Absatzkanal wird das Internet allerdings nur von wenigen Unternehmen erkannt und eingesetzt, obwohl die Nachfrage deutlich und nachweisbar angezogen hat. Bis in die Privathaushalte ist diese Entwicklung nur zur Hälfte durchgedrungen und die Relevanz des Internets damit für 5o Prozent der Deutschen nicht vorhanden, weder zur Informationsbeschaffung noch als Einkaufsmedium. Während also jeder zweite Deutsche an seiner persönlichen Medienkompetenz arbeitet, stellt sich auf der anderen Seite die Hälfte der Gesellschaft noch die Frage, ob sie überhaupt online gehen sollte. Die Relevanz von Medienkompetenz als Erfolgsfaktor der eigenen und gesellschaftlichen Zukunft wurde offenbar noch nicht durchschlagend erkannt.
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