22/08/2004 [#] Marketing | PR | Weblogs
eWerx.com/news° wurde mit der Frage nach Weblogs und Corporate Communications gestartet. Schon zu diesem Zeitpunkt mit der Feststellung, dass es empirisch betrachtet keine Frage mehr ist. Aus heutiger Perspektive stellt sie sich noch weniger: BizBlogs sind mittlerweile Mainstream und werden weltweit, wenn auch in Deutschland noch recht selten, von Unternehmen jeder Größe im Wissensmanagement und zur Pflege von Public Relations eingesetzt. Die Frage nach dem Wieso lässt sich im Hinblick auf Überlegungen zum Personal Agenda Setting sowohl bezüglich der Existenz als auch der Nachfrage zumindest plausibel beantworten. Die Motivation von Autoren und Lesern dürfte und sollte sich zukünftig allerdings noch weiter differenzieren lassen.
Weblogs und Corporate Communications haben sich, trotz aller Herausforderungen und häufiger Gegensätze zur immer noch anzutreffenden Kommunikationskultur, mittlerweile angefreundet. Und selbst die klassischen Medien sehen in Weblogs heute weniger Gefahr als dieselbe Chance wie Unternehmen auch: Mehr und bessere Kundenbindung durch einen umfangreicheren und personalisierten Wissenstransfer im Rahmen einer dialogen Kommunikation. Wie 'normal' BizBlogs mittlerweile sind, beschreibt die Washington Times am Beispiel ACCA:
"You know blogging has gone mainstream when air-conditioning contractors are doing it. ... Log onto the Web site of the Air Conditioning Contractors of America and you are directed to 'ACCA Buzz', a blog that invites the trade group's members to weigh in on topics such as air-filter sales, new refrigeration technologies and whether the Minnesota Twins manipulate their stadium's ventilation system to prevent home runs by visiting teams."
Welche Auswirkungen Personal Web Publishing mittels Weblogs im Marketing haben kann, zeigt die nette kleine Geschichte von Keiko Groves, auf die Steve Rubel hinweist: Die 19jährige Studentin machte ihr Bekleidungs-StartUp ausschließlich über ihr Weblog bekannt und generiert laut dem Orlando Sentinel bereits USD 8oo pro Monat. Kein Wunder, dass InternetNews noch einen Schritt weitergeht und in Blogs: The Marketing Killer fragt:
"Do companies need a full-blown marketing or PR department when the employees themselves and the conversations they have on these blogs are getting the corporate info out more effectively?"
Lisa Poulson, eine Beraterin der Kirtland Enterprise Group, bringt den Unterschied von Weblogs zur Pressearbeit darin auf den Punkt:
"PR firms love to control the message, control who says the message, control who has access to the message, who says the message and the timing of the message. ... Blogs upset the apple cart in all four ways. But building that credibility and trust is still the basis for that individual relationship."
PRblogs werden neben BizBlogs sicherlich auch zukünftig ihre Berechtigung haben. Vor allem können sie Personal Agenda Setting zulassen und damit mehr Aufmerksamkeit und Vertrauen aufbauen. Für viele Unternehmen bedeutet dies allerdings ein gravierendes Umdenken: Integrierte Unternehmenskommunikation wird sich zwangsläufig zur nur noch integrierenden Unternehmenskommunikation wandeln müssen, um auch zukünftig Gehör zu finden. Im Rahmen von Public Relations jedoch kein wirkliches Novum.
Eine interessante Entwicklung vollzieht sich derweil im Hinblick auf das Tracking der 'Consumer-Generated Media' [CGM]. Da das Verhältnis von BizBlogs zu Weblogs aktuell bei etwa 1:1oo liegen dürfte und sich mittelfristig wohl nur begrenzt verschieben wird, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Personal Web Publishing, insbesondere die verstärkt dokumentierte Kommunikation zwischen Konsumenten, auf Marken und Märkte haben wird. Das Word of Mouth, also die Mund-zu-Mund-Propaganda, war bereits vor Internet und Weblogs ein scharfes Schwert und zweifelsfrei sehr relevant für Kaufentscheidungen, jedoch fast nicht messbar. Welches Potential in WoM-Marketing und vor allem: WoM-Tracking in Anbetracht der Dokumentierung im Internet steckt, dürfte auf der Hand liegen. Ross Fadner schreibt daher für MediaDaily:
"Peter Blackshaw, Intelliseek chief marketing officer, ... uses the term CGM - and not word-of-mouth - because there is one crucial difference between the two terms: CGM is highly measurable, although very few market research firms do so. ... 'The Web, really, is first about listening', and consumer dissatisfaction, in the digital age, can be detrimental to a brand if it strikes a nerve in the wrong kind of person. These wrong kind of people are called speakers - and they represent roughly 10 percent of the population, but trickle through to influence 90 percent of the population, called seekers. According to research conducted by Forrester and Intelliseek, the trust factor for consumer-to-consumer communication is near 90 percent."
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