27/10/2004 [#] IT | Marketing | Media | Weblogs
Das Center for the Digital Future hat mit seinem 4. Internet Report für 2004 [PDF] die 1o wichtigsten Trends und Fakten herausgearbeitet, wie das Internet in einer Dekade die USA nachhaltig verändert hat und weiter verändern wird.
"At the time of the Information Superhighway Summit in January 1994, about two million computers - used primarily by academics, scientists, and corporate researchers - were connected to the Internet. That number would increase to 7o million by the time the Digital Future Project was created in 2000. Now, the Internet is used by about three-quarters of Americans, and online technology is a constant presence in two-thirds of American homes."
Während in Deutschland gerade einmal etwas mehr als jeder Zweite Zugang zum Internet hat, ist in den USA nicht einmal mehr jeder Vierte offline. Deutschland liegt damit sowohl im Hinblick auf den Zugang als auch die Nutzungsintensität fast 4 Jahre zurück. Ein kleiner Blick in die Zukunft kann daher sicherlich nicht schaden.
1. Die Digitale Spaltung wird überwunden. Bei 75,9 Prozent Onlinern erscheint die Frage zunächst obsolet, tatsächlich bleibt aber eine Spaltung beim privaten Internetzugang von zu Hause bestehen [66 Prozent], daran können auch die Schulen nichts ändern, die mittlerweile zu 99 Prozent ans Internet angeschlossen sind. Eine neue Spaltung zeichnet sich außerdem bei der Zugangstechnologie ab: Breitband oder nicht, lautet die aktuelle Frage: siehe unten 10.
2. Die Mediennutzung hat sich verändert und verändert sich weiter. Das Fernsehen hat für mehr als 5o Jahre die Zeit der Amerikaner, die Sie zu Hause verbracht haben, dominiert. Die Zeit für das Internet haben sich die Amerikaner genau dort 'erkauft': Die Fernsehnutzung geht dabei umso stärker zurück, je erfahrener die Onliner mit dem Internet werden. Jeffrey I. Cole, Direktor des Center for the Digital Future, zu dieser Entwicklung:
"The social impact of such dramatic change could be extraordinarily deep. What will happen as a nation that once spent an extremely large portion of time in a passive activity [television] transfers increasingly large portions of that time to an interactive activity [the Internet]? This continuing shift will have a broad range of ramifications, probably affecting every aspect of American culture, the economy, politics, and social behaviour."
3. Die Vertrauenswürdigkeit des Internets sinkt. Die meisten Nutzer vertrauen den Informationen von Websites, die sie regelmäßig nutzen, und denen von etablierten Medienanbietern und der Regierung. Informationen von Individuen, die auf Websites gepostet werden, können hingegen kaum Vertrauen aufbauen. Welche Medien in Zukunft letztendlich mehr Vertrauen genießen werden, ist offen. Das Fernsehen scheint jedenfalls der erste große Verlierer zu sein.
4. Die Veränderungen durch Onlineshopping haben gerade erst begonnen. Während beim ersten Internet Report 2000 noch zwei Drittel der Onliner gerade im Hinblick auf die Privatsphäre und den Datenschutz enorm beunruhigt waren und daher seltener kauften, sind es heute nur noch 46 Prozent. Und obwohl damit auch weiterhin viele Vorbehalte bestehen, wird viel häufiger online eingekauft: 2001 nur 11mal, heute über 3omal pro Jahr. Das Vertrauen in reine Internetshops ist derweil stark angestiegen. Wie sich dies auf den lokalen Fach- und Einzelhandel auswirken wird, ist fraglich.
5. Die 'Das Internet ist für Freaks'- und 'Soziale Vereinsamungs'-Debatten sind tot. Bei mehr als drei Viertel Onlinern unter der Bevölkerung löst sich die erste Hypothese zwangsläufig in Luft auf und wirkt im Rückblick geradezu lächerlich. Und hinsichtlich der zweiten weist die vorliegende Studie eher das Gegenteil nach: Onliner sind aktiver und sozial eingebundener. Die Zeit für Familie, Freunde, schlafen, lernen und andere private Aktivitäten bleibt so hoch wie zuvor, allein die Fernsehnutzung geht deutlich zurück. Durch eMails und Chats wurde das Internet zu einem Werkzeug, um Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, nicht zu beschränken. Onliner kommunizieren mehr, nicht weniger.
6. Ängste im Hinblick auf die eigene Privatsphäre und Sicherheit bestehen weiterhin und zwar auf hohem Niveau. Dabei geht es nicht nur um Einkaufsgewohnheiten, sondern um allgemeine Datenschutzfragen: 'Ist meine Privatsphäre geschützt, wenn ich das Internet erkunde?'
7. Das Internet ist die erste Wahl für Informationen. Egal ob wissenschaftlich, wirtschaftlich, finanziell, allgemein, freizeit- oder rein unterhaltungsorientiert: das Internet wird als erstes befragt und erkundet. Der permanente Zugang, gerade bei Breitbandzugängen hat hierzu besonders stark beigetragen. Gleiches gilt für die mittlerweile lange Onlinezeit der meisten Amerikaner [durchschnittlich 12,5 Stunden pro Woche; in Deutschland: knapp 9] und die einhergehende Erfahrung mit dem Medium Internet.
8. Jugendschutz: Die Vor- und vor allem Nachteile für Kinder stehen weiterhin auf der Tagesordnung. Die Problemfelder sind auch heute evident und für viele Fragen keine Antworten oder gar Lösungen gefunden. Für Eltern ist der Aufwand, die Aktivitäten der eigenen Kinder im Internet zu verfolgen, schlicht um ein Vielfaches höher als bei allen anderen Aktivitäten, die zu Hause ausgeübt werden. Das Dilemma wird sich durch zusätzliche Onlinedienste absehbar eher verschärfen als verbessern.
9. Die eMail ist weiterhin die Killerapplikation für Onliner. Die bekannten Probleme auf der anderen Seite der Medaille: Spam, überfüllte Postfächer und wachsende Zeitverpflichtungen, um zu antworten. Kein Onliner möchte auf eMails verzichten. Kein Onliner möchte, dass eMails das eigene Leben determinieren.
10. Breitbandzugänge werden alles ändern, wieder. Während das Internet zunächst die eigentliche Revolution darstellte, sind Breitbandzugänge die Revolution in der Revolution. Der Zugang per Modem war spaltend, Breitbandzugänge sind integrativ. Breitbandnutzer sind deutlich länger online und nutzen deutlich mehr Dienste. Wichtiger als die Geschwindigkeit ist allerdings die permanente Verbindung zum Internet. Der daraus resultierende Nutzungsunterschied ist nicht weniger signifikant als zuvor zwischen einem Onliner und einem Offliner.
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